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MAILES
In Mailes heult der Malamut

Schlittenhunde zeigen sich: Erste Doppelausstellung des Alaskan Malamute Club

Das „Wolfsrudel“ heult, jault und kläfft aufgeregt auf der taigagrünen Wiese am Ortsausgang von Mailes, am alten Brauhaus Richtung Oberlauringen, unter weit geöffnetem Himmel. Was unterm Jahr manch zivilisationsverwöhnten Nachbarn ein Graus sein mag, klingt für die Hundefreunde, die sich hier ein Wochenende lang mit Zelt und Wohnmobil versammelt haben, wie Musik in den Ohren. Die Musik der Wildnis eben. „Der Malamute ist der natürlichste Hund, den es gibt“, schwärmt Frank Kunz, der aus Nordrhein-Westfalen zur zweitägigen Doppelausstellung des „Alaskan Malamute Club“ (AMC), der ersten in Mailes, angereist ist.

Ehefrau und Züchterin Ellen Kunz ist Chefin des seit 2007 eigenständigen Vereins, mit „Issues of Yukon“ als Zwinger, insgesamt 17 gehören zum Verein. Normale Haushunde, verspielt und „mitteilungsfreudig“, befänden sich in etwa auf der Stufe eines (ständig bellenden, futterbettelnden) Wolfswelpen, weiß Frank Kunz. Schlittenhunde ähneln mehr jungen Wölfen, wobei die menschenbezogenen Malamuten schon auch verspielt sein können.

Die zugkräftigen, von Anfang an auf Gesundheit und Zähigkeit gezüchteten Fellbündel sind eine der ältesten Hunderassen der Welt – 3000 Jahre alt. Der Name leitet sich von einem Nomadenvolk in Alaska ab, das sie als „Pferde“ verwendet hat. Eingewandert sind sie mit den Inuit wohl vor Urzeiten aus Sibirien über die Beringstraße. Der Goldrausch am Rande der Arktis machte die Lastenträger im 19. Jahrhundert populär, seit den 1930ern werden sie wieder reinrassig gezüchtet. Nach Deutschland kamen sie durch amerikanische GIs.

Braune, statt blaue Augen

Neben Grönländern, Samojeden und Husky gehören sie zu den klassischen Schlittenhunde-Rassen. Von den schnellen, blauäugigen Huskys unterscheiden sie sich durch ihre braunen Augen, den seitlich anstehenden Ohren, der kompakten Statur und der ungeheuren Ausdauer beim Ziehen.

„Sie brauchen eine Beschäftigung“, weiß Gaby Geidel, AMC-Vizevorsitzende, Gastgeberin und Züchterin vom Zwinger Crazy Crew aus Mailes, die an beiden Tagen den Küchendienst übernimmt. Selber hat sie meist sechs bis sieben Tiere. Ein schlechter Galopper und Sprinter ist der Malamute, der dafür gerne über Dutzende Kilometer trabt, und sich dabei seine Kräfte „vernünftig“ einteilt, dank wacher Hunde-Intelligenz.

Hundetreffen in Mailes haben viele Jahre Tradition, dank guter Erreichbarkeit auch aus Osteuropa oder Österreich. Hier oben ist genügend Platz für Ausfahrten: bei Schnee mit dem Schlitten, im Sommer mit dem Trainingswagen. Hauptsache, es wird nicht zu warm, wie an diesem sonnigen Tag: Malamuten tauen erst auf, wenn das Thermometer unter 15 Grad fällt, weiß Geidel, die schon zu Rennen in Skandinavien oder Tschechien angetreten ist.

Der „Goldrausch“ gilt an diesen Tagen den Pokalen eines „Schönheitswettbewerbs“, bei denen Rüden, Hündinnen, Jugendliche und Babys vor Fachrichtern aus Deutschland und Zypern antraben. 34 Hunde sind am Start, darunter auch der rot-weiße Rudi: noch seltener wäre ein weißer Malamute. Am Ende räumt vor allem der Zwinger „Issues of Yukon“ ab, an beiden Tagen, mit Liwanu und Je Ne Regrette Rien, der Malamutin Opium, den Babys Dee Jay und Joy sowie Junghund Icy Olympic Trail.

„Jag-Jag's Snow Devil“ aus Waltershausen stellt mit Kansas Kimble den besten Junghund, Zwingerchefin Andrea Gotthardt ist die Nichte von Gaby Geidel: Bei Schlittenhund-Gespannen sind auch die Besitzer eng verbandelt.

Von unserem Mitarbeiter Uwe Eichler